Basel II betrifft zunächst die Banken. Auf indirektem Wege wirken sich die Regelungen jedoch auch auf die Kunden der Banken aus. Im Besonderen gilt dies für Unternehmenskredite.
Hinsichtlich der Auswirkungen auf Unternehmen sind der Kreditvergabeprozess und die Konditionengestaltung zu unterscheiden.
Beim Kreditvergabeprozess geht es um die Frage, ob Unternehmen überhaupt einen Kredit erhalten oder nicht.
Manchmal geäußerte Befürchtungen im Vorfeld, dass es zu einer generellen Kreditverknappung durch Basel II kommt, haben sich nicht bestätigt. Auch eine generelle Verteuerung von Krediten ist auf Grund von Basel II nicht eingetreten.
Die Kreditkonditionen orientieren sich stärker am Risiko. Durch die Einbeziehung von Standardrisiko- und Eigenkapitalzusatzkosten in die Kalkulation der Kreditzinsen beinhalten diese zwei risikosensitive Bestandteile. Die Standardrisikokosten sollen den Expected Loss abdecken. Sie hängen von der PD (abhängig vom Rating) und dem LGD (abhängig im Wesentlichen von den Sicherheiten) ab. Die Eigenkapitalzusatzkosten werden auf Basis der zu unterlegenden Eigenmittel kalkuliert.
Durch diese risikoorientierte Konditionenpolitik – im Gegensatz zum früheren Pooling – kommt es zu einer wesentlich stärker ausgeprägten Differenzierung der Kreditzinsen zwischen den Unternehmen. Unternehmen und Branchen mit guter Bonität werden dadurch profitieren, jene mit schlechterer Bonität müssen sich mit schlechteren Konditionen auseinandersetzen.
Begünstigungen für KMU
Kredite an Gewerbebetriebe und KMU (bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz), die ein Gesamtkreditvolumen von weniger als einer Million Euro bei dem jeweiligen Kreditinstitut aufweisen, können unter gewissen Vorraussetzungen im Rahmen von Basel II als Retailkredite behandelt werden. Da für Retailkredite grundsätzlich weniger Eigenmittel gehalten werden müssen, sollte dies zu besseren Konditionen für diese Kredite führen.
Bei Krediten an KMU, die nicht Bestandteil des Retailportfolios sind, wird im internen Rating-Ansatz die Risikogewichtung von der Unternehmensgröße (gemessen am Umsatz) abhängig gemacht. Je kleiner das Unternehmen, desto kleiner ist die Gewichtung. Mit verminderter Risikogewichtung nimmt die Höhe der vom Kreditinstitut zur Unterlegung nötigen Eigenmittel ab. Dies führt zu geringeren Eigenkapitalzusatzkosten.
Rating
Die Unternehmen sind ihrem Rating jedoch nicht hilflos ausgeliefert. Da Banken unter Basel II ein externes oder internes Rating für die Bonitätseinstufung des Unternehmens verwenden, ist die Vorbereitung der Firmen auf das Ratingverfahren sicher eine große Herausforderung.
Im Laufe der letzten Jahre wurden auch die Ratingsysteme der Banken neu aufgestellt. Für die Bestimmung der Bonität sind neben den so genannten Hard Facts, wie Kapitalstruktur, Umsatzrentabilität, Liquidität, Cashflow, auch die Soft Facts von großer Bedeutung. Unter Soft Facts versteht man die qualitativen Indikatoren eines Unternehmens, wie zum Beispiel Managementqualität, Standortqualität, Branchenentwicklung, verwendete Controlling- und Risikomanagementsysteme. Bei kleinen Unternehmen ist die Bedeutung der Soft Facts größer als bei großen Unternehmen. Gerade im Bereich der Soft Facts existieren bei den Unternehmen noch erhebliche Verbesserungspotentiale.
Alternativen
Da die Eigenkapitalquote maßgeblich das Rating beeinflusst und möglicherweise die Kreditfinanzierung sich in der Zukunft schwieriger gestalten wird, werden alternative Finanzierungsformen an Bedeutung gewinnen. Hier kann es sich einerseits um die Mobilisierung von internen Finanzierungspotenzialen durch den Verkauf von Assets (ABS, Factoring), Miete statt Kauf (Leasing) oder die Aufnahme von Finanzmitteln am Kapitalmarkt handeln, insbesondere im Bereich der Eigenkapital- oder Mischfinanzierung (Börsegang, Private Equity, Venture- und Mezzaninkapital). In diesem Kontext ist auch der österreichische Kapitalmarkt gefordert, der die geeigneten Instrumente für alternative Finanzierungen anbieten muss.
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